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José Arce und rät: „Gehen Sie strukturiert spazieren.“

Jeder Hundehalter wünscht sich, harmonisch und stressfrei mit seinem Vierbeiner zusammenzuleben. Das klappt, wenn beiden klar ist, dass der Mensch in der Beziehung die Verantwortung trägt. 
Die gemeinsame Zeit draußen eignet sich besonders gut dafür, dem Hund das zu zeigen, weiß Experte José Arce und rät: „Gehen Sie strukturiert spazieren.“ 

Hat in der Mensch-Hund-Beziehung der Vierbeiner das Sagen, fällt das zu Hause oft nicht so stark auf. Denn in den eigenen vier Wänden hat er nicht unbedingt das Gefühl, ständig die Lage kontrollieren und auf alles aufpassen zu müssen. Wie sich der Hund während der Zeit draußen verhält, steht auf einem anderen Blatt. Solange er die Verantwortung übernehmen „muss“, entscheidet der Hund dort selbst, wie er sich anderen präsentieren möchte, denen Sie begegnen. Die täglichen Spaziergänge sind ein idealer Zeitpunkt, um klare Strukturen und Regeln einzuhalten und dem Vierbeiner so dabei zu helfen, seine natürliche Rolle zu finden und das Leben stress- frei zu genießen. Konflikte können sich so lösen lassen.

Die beste Zeit gemeinsam nutzen
José Arces Methode des strukturierten Spaziergangs lässt sich bei den unterschiedlichsten Hunden einsetzen, egal, wie alt sie sind, ob sie aus dem Tierschutz stammen oder vom Züchter in die Familie gekommen sind. Die Ziele dieser Art und Weise, mit dem Hund draußen bewusst Zeit zu verbringen, sind vielfältig: die Balance herstellen oder wiedererlangen, gemeinsam Spaß haben, sich selbst und seinen Hund glücklich machen und den Spaziergang als das verstehen, was er ist: die beste Zeit, die Sie mit Ihrem Hund verbringen. 
Sie geben ihm eine tolle Aufgabe, er darf Sie begleiten und Sie erleben zusammen die Welt. Der Hund ist glücklich, weil er Ihnen folgen und damit die Verantwortung an Sie abgeben darf. Dadurch können sich übrigens auch mögliche Konflikte mit anderen Hunden entschärfen. Da Ihr Vierbeiner nicht ständig die Lage checken und für Ihre Sicherheit sorgen muss, kann er Artgenossen entspannter gegenübertreten. 

Die Richtung klar vorgeben 
Vielleicht sind Sie zunächst erschrocken, als Sie den Begriff Struktur gelesen haben. Er ist schließlich für viele ähnlich negativ besetzt wie die Worte Anführer oder Disziplin. Dabei bedeutet die Methode lediglich, dass Sie den Spaziergang strukturieren, den Hund führen und ihm so klar die Richtung vorgeben. Für etwa 90 Prozent des Spaziergangs hat Ihr Hund eine Aufgabe. Er bleibt während dieser Zeit konzentriert bei Ihnen. Für die restlichen zehn Prozent hat er „frei“. In dieser Zeit geben Sie ihm die Möglichkeit, sich zu lösen, herumzuschnüffeln, zu spielen, sich auszuruhen oder andere Hunde zu treffen. 
Auf Folgendes sollten Sie dabei achten: Je mehr Probleme Sie haben, desto mehr Struktur sollten Sie Ihrem Vierbeiner geben. Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich auch, dass Sie ihm weniger Struktur geben müssen, wenn Sie weniger Probleme haben. Wie viel nötig ist, unter- scheidet sich je nach Hund. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, um Ihre individuell passende Mischung zu bestimmen. 
Strukturiert spazieren gehen: ein Beispiel Ganz praktisch könnte ein derartiger strukturierter Spaziergang folgendermaßen aussehen: Sie verlassen das Haus oder steigen aus dem Auto und führen Ihren Hund erst einmal 15 Minuten lang mit oder ohne Leine bei sich. Achten Sie darauf, dass der Vierbeiner in dieser Zeit nichts auf eigene Faust unternimmt. Er soll keine anderen Hunde begrüßen, es sei denn, Sie wollen das auch – beziehungsweise Sie möchten sich mit deren Frauchen oder Herrchen unterhalten. Ihr Hund soll während dieser Zeit auch nicht rennen, hüpfen, spielen ... Kurzum: In dieser Viertelstunde hat der Hund keine andere Aufgabe, als Ihnen zu folgen und neben Ihnen herzulaufen. Und genau dabei arbeitet er. In seinem Kopf ist diese für uns scheinbar doch simple Sache nämlich natürliche Arbeit – Arbeit nach seinem natürlichen Instinkt. 
Sobald die 15 Minuten verstrichen sind, bleiben Sie an einem schönen Plätzchen stehen oder setzen sich hin. Der Instinkt des Hundes sagt ihm, dass jetzt die Zeit gekommen ist, all das zu tun, wofür vorher keine Zeit war, weil er ja arbeiten musste. Jetzt kann er herumschnuppern, sein Geschäft erledigen, sich hinlegen oder spielen. Und was machen Sie solange? Sie können ihn beobachten, die Ruhe in der Natur oder an schönen Tagen einfach die Strahlen der Sonne genießen. 
Nach fünf Minuten rufen Sie Ihren Hund dann zu sich und gehen Seite an Seite so zurück, wie Sie gekommen sind. Das Ganze machen Sie am besten dreimal täglich. Natürlich können Sie diese Art des Spaziergangs beliebig ausdehnen. Ich selbst bin oft viele Stunden mit meinen Hunden unterwegs. Wichtig ist aber auch dann, dass sich Phasen des Geführtwerdens mit Phasen abwechseln, in denen der Hund selbstständig die Umgebung erkunden kann – wobei erstere überwiegen sollten. 

ZUM WEITERLESEN 
Sein Wissen über Hunde und Tipps dazu, wie es Hundehaltern gelingt, eine vertrauensvolle Beziehung zu Ihrem Vierbeiner aufzubauen und einen entspannten Umgang zu leben, gibt der mallorquinische Hundeexperte José Arce auch als Buchautor weiter: „José Arce’s Praxisbuch“„Meine 5 Geheimnisse für eine glückliche Mensch-Hund-Beziehung“sowie „José Arce’s Welpenbuch“sind im Gräfe und Unzer Verlag erschienen. 





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